Positiv denken - B-Positiv

Nach einer erstaunlicherweise erholsamen letzten Nacht in unserem Hostel in Shinagawa (Tokyo) ging es ans packen um für den Checkout startklar zu sein.

Man könnte es eigentlich schon als Kunst bezeichnen den Inhalt einer gar nicht soo großen Reisetasche innerhalb nur drei Tagen so auf 4m2 zu verteilen dass erst mal wieder eine Stunde lang vorsortiert werden muss um sich dann besagte Stunde später erneut fragen zu müssen wie zur Hölle man das vor Abreise nur alles hinein bekommen hat.

 

Letztendlich fand dann doch wieder jedes noch so kleine Teil seine Platz in der gut 100l großen Tasche und so stand der weiterreise nach Nihonmatsu in der Präfektur Fukushima eigentlich nichts mehr im Weg...

Eigentlich...

Denn wie es immer so ist, ausgerechnet in dieser Woche war die „golden week“, eine Woche vollgepackt mit Feiertagen in der der Großteil der Japaner frei hat und die Zeit nutzt, für Familientreffen, ausgiebiges trinken mit den Freunden, Besuch der örtlichen „Badehäuser“ (nein, damit sind keine Onsen also heiße Quellen und schon gar nicht Schwimmbäder gemeint, in Deutschland würden wir schlichtweg Freudenhäuser zu sagen) oder eben Zugfahren.

Gerade letzteres war ja unser Plan für heute und somit durften wir uns den Shinkansen mit nicht gerade wenigen Leuten teilen...

Gut dass wir schon eine geraume Zeit vor eintreffen des Zugs am Gleis standen, ansonsten wäre es mir genauso wie Natsuki ergangen.

Moment... Natsuki? Wer ist das denn?

Natsuki war eine junge Japanerin die die zweistündige Zugfahrt neben meinem Sitzplatz stehen wollte, wollte aus dem Grund da ich ihr meinen Platz anbot, sie aber dankend ablehnte.

 

 

Stadtessen bot sie mir einen Kaugummi an, der so stark nach Chemie stank dass es mir wirklich schwer fiel diesen auch wirklich zu Essen, aber dafür war einfach die Neugier zu groß um nein zu sagen... ;)

Mit den Zusatzstoffen eines Kaugummis hätte man wahrscheinlich um die 500 Traubenstrudel aromatisieren können, selbst am nächsten Tag roch mein ganzer Rucksack noch danach nur weil ich das Papier dort hineingelegt hatte.

 

 

Mit Natsuki kam ich recht schnell ins Gespräch und bevor wir auch nur ansatzweise die nächste Haltestelle erreicht hatten wusste ich von ihr ihren vollen Namen, ihre Adresse, ihr Geburtsdatum (Glück gehabt, sie war schon 18..), ihre Handynummer, Email-Adresse, dass sie in Tokyo auf die Hochschule ging und ihr Traumberuf Polizistin ist...

 

 

Ach ja...

 

Und dass sie Blutgruppe B positiv hat...

 

Wait what....?

 

Wenige Minuten später erreichten wir Koriyama, unseren Zwischenhalt.

Ich verabschiedete mich von Natsuki und verließ in T-Shirt und kurzer Hose den Zug...

Was keine gute Idee war.

(Man muss dazu sagen, wir hatten bei der Abfahrt in Tokyo um die 20°C)

Eiskalter Wind, um die 5°C Aussentemperatur und kein beheizter Raum in Sicht.

Aufenthalt war gottseidank überraschend gering und kurzerhand ging es mit einem (laut Christian) Ostdeutschen Triebwagen weiter zum heutigen Tagesziel, Nihonmatsu.

So war zumindest der Plan.

Im Zug selber bekamen Christian und Marion noch Hiragana Unterricht (るbedeutet Ru weil in der schleife unten ein Rubin drin ist, ろ bedeutet Ro da der Rubin nun geklaut (robbed) ist, つ ist Tsu von Tsunami, soll wie eine Welle aussehen.)

Sehr einfallsreich diese Lehrbücher, auch wenn man sich beim ersten mal fragt was die Autoren dabei geraucht haben, man kann es sich erstaunlicherweise sehr gut merken.

Warum das alles?

Nun ja, die Ansagen der Schaffner verstanden wir nicht wirklich und somit blieb uns nichts anders übrig die in (glücklicherweise) Hiragana geschriebenen Stationsnamen zu entziffern um zu wissen wo wir nun raus müssen.

Nihonmatsu war natürlich die einzige Station die wir dann auf einmal verstanden...

 

Kaum in der „Weltstadt“ Nihonmatsu angekommen, ging es auf Zimmersuche in dem einzigen Hotel der Gegend.

 

Keine zwei Minuten später standen wir wieder am Bahnhof.

 

Da kein Zimmer mehr frei war (danke Golden Week) blieb uns nichts anders übrig als in die nächstgrößere Stadt zu fahren, nach Fukushima.

 

Ich höre schon die Alarmglocken klingeln, Erdbeben, Atomkraftwerk, Tsunami, Fallout usw. usw...

Fukushima selbst ist knappe 60km vom Atomkraftwerk entfernt, der Sperrradius weit genug entfernt, also alles kein Grund um sich sorgen zu machen.

 

In Fukushima erwartete uns strahlender Sonnenschein (ok, zugegeben, das ist Grenzwertig) und dadurch angenehme Temperaturen, die zwischenzeitlich angezogene Jacke verschwand also wieder im Rucksack.

 

Trotz nur japanisch-sprechender Touristeninformation gelang es letztendlich ein Hotelzimmer unweit des Bahnhofs zu ergattern, sehr edel und vor allem westlich gestalteter Eingangsbereich und Zimmer die von der Größe her in jede deutsche Badewanne passen dürften.

 

Egal, preis war moderat, die Rezeption sprach englisch und selbst das Internet funktionierte nach tauschen des Routers mit dem Nachbarzimmer.

 

Uns knurrte mittlerweile gehörig der Magen und so machten wir uns auf in Richtung Fukushima Station wo wir auf dem Weg zum Hotel einen recht netten Imbiss gesehen hatten.

 

Mein japanisch reichte leider nicht aus zum entziffern der Speisekarte und somit bestellten wir auf gut Glück.

Chris und Marion bekamen eine große Schüssel Reis mit jeweils gebratenem Fleisch und Tempura, ich bekam viele kleine Schüsseln mit kalten Udon Nudeln, verschiedenen kalten Fischsaucen und ein rohes Ei.

Die Nudeln konnte man recht gut Essen, das Ei ließ ich lieber links liegen, die Konsistenz machte mich nicht wirklich an weshalb ich mir dann doch nochmal etwas warmes zum mitnehmen bestellte.

 

 

Wir entschlossen uns noch kurzerhand die Gegend zu erkunden und landeten nach einem Zwischenhalt im Doughnut-Store an einem Schrein im Norden der Stadt.

Hinter dem Hauptgebäude führte eine sehr alt aussehende Steintreppe zu drei sehr gepflegten Gräbern.

Grabstätten sind eigentlich nicht wirklich mein Fall, dafür hab ich einfach zu viele Filme gesehen, jedoch hatte man von hier aus einen wunderbaren Blick auf die Bergkette die Fukushima umgibt welche durch den Sonnenuntergang noch schöner hervorgehoben wurde.

 

 

Auf dem Rückweg ins Hotel kamen wir an einem Häuserblock vorbei der heruntergekommener nicht hätte sein können.

Es stank nach Fäkalien, der Putz löste sich von den Wänden, braunes Wasser(?) tropfte von der Decke und offene Stromkabel lagen auf dem Boden herum...

Und ja, dieser „Ort“ war wirklich bewohnt...

Dies ist anscheinend ein Teil Japans gewesen von dem man nicht soviel mitbekommt in der Öffentlichkeit...

Zurück im Hotel ging es daran den Blog weiterzuführen, doch irgendwie kam ich dann nicht recht dazu.

 

 

 

Die nächsten Tage planen, mit Freunden und Verwandten telefonieren, Zugverbindungen nachschauen und Fotos sortieren und bearbeiten hatten dann leider zuviel Zeit gekostet.

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Max (Donnerstag, 09 Mai 2013 05:08)

    Sehen meine Augen da vor der Fekalienbude nen Chaser stehen? :D

  • #2

    Julian Welter (Donnerstag, 09 Mai 2013 17:43)

    Du wirst in den nächsten Tagen noch den ein oder anderen Chaser sehen ;)