Poesie

Schon auf dem Weg in die "Unterkunft" wurde ich von einem australischen Pärchen angehalten und gefragt ob ich denn auch im "Loch" übernachte, wenn ja dann sollte ich mich schonmal drauf einstellen viel Bier und wenig Schlaf zu bekommen...

Sie wussten wohl noch nicht dass ich aus Bayern komme und somit zumindest mit dem ersten Punkt keine Probleme haben werde.

Aber schon wieder eine Nacht ohne Schlaf, ich weiß ja nicht...

 

Naja, die (wohlgemerkt EISKALTE dank nicht vorhandener Decke) darauf folgende Nacht gehört wohl in die Kategorie "What Happens in Ebisu stays in Ebisu".

Nur soviel dazu:

Die Spinnen die Australier...

Und die Norwegerinnen...

Und die Japaner auch...

Es wurde einiges an Alkohol vernichtet, es waren Waffen im Spiel und Drogen im Gespräch.

Aber dennoch kann ich ruhigen Gewissens sagen dass es sich alles auf legalem Boden bewegt hat.

Apropo Boden bewegt...

 

Um vier Uhr früh fing besagter Boden auch an sich zu bewegen.

Nicht jedoch durch ein Erdbeben oder dergleichen verursacht sondern durch das gleichmäßige Brummen von ca 350 Motoren ohne jegliche serienmäßige Auspuffanlage.

Als wir die Türen aufschoben glich dies einem Donnergrollen.


Die Sonne war kaum aufgegangen als die Tore des Safari-Parks geöffnet wurden und sich die Kolonne in Richtung Circuit in Bewegung setzte.

Ein spektakuläres Schauspiel wie sich die Träume vieler daheimgebliebenen langsam die steile Auffahrt hochschlichen um dann nach kurzer zeit hinter den Bäumen zu verschwinden...

 

Ich hätte nichts lieber gemacht als wie direkt hinterher zu laufen doch leider war da immer noch das geldproblem...

Ein australischer Fahrer tat mir den gefallen und fuhr mich nach Nihonmatsu, doch mal wieder zu früh gefreut.

Die Post hatte zu.

Damit auch der Geldautomat.

Ich hatte innerlich mehr als geflucht, ich war mir zu tausend Prozent sicher dass da gestern auf den roten Aufkleber noch stand Zugang sonntags bis 17 Uhr möglich..

(Natürlich auf Japanisch)

Doch nichts, die elektrische Schiebetür rührte sich keinen Milimeter.

Gefrustet und demotiviert stieg ich wieder ins Auto.

Kein richtiges essen und keine Dusche seit zwei Tagen, Durst da man ja das Leitungswasser nicht trinken konnte und immer noch kein Geld in der tasche.

Ich kratze meinen letzten Yen zusammen um mir wenigstens noch ein Onigiri kaufen zu können als wir auf der Rückfahrt noch beim örtlichen Supermarkt vorbeifuhren.

Doch es wäre ja fast schon langweilig wenn es immer so laufen würde wie man denkt.

Diesmal sogar zu meinem Vorteil.

Patrick (mein Australischer Fahrer) fuhr nicht gerade zaghaft was dazu führte dass wir noch eine Tankstelle aufsuchen mussten.

Dies beinhaltete einen Umweg ohne den wir wohl kaum an der Postzentrale vorbei gekommen wären.

Jene Postzentrale an der man doch wirklich (man mag es kaum glauben) auch Sonntags Geld bekam!!

Man war ich wieder gut drauf :)

Es konnte also endlich wieder auf die Strecke gehen.

Patrick sammelte noch Christian und Marion im Loch ein und nahm uns mit zum Minami Course.


An die Leser die sich ein Video nach dem anderen reingezogen haben von diesem Teil Ebisus:

Vergesst alles gesehene und gehörte und fahrt selbst hin.

 

Wenn dir ein 700+ PS Jzx90 quer über die letzte Kurve in Richtung Minami-Wall mit ca 120 km/h entgegenfliegt bildet das dann in Kombination mit einer durch Backfire und Schleifen von blankem Blech auf der Minami Wall erzeugten Symphonie, ein Erlebnis, welches unbeschreiblich brachial, kunstvoll, Leidenschaftlich, kurzum nicht in Worte zu fassen ist...

 

Ebisu lässt sich leider nicht mit noch so guten Bildern und Videos beschreiben, man muss es selbst erlebt haben!

Es ist eine eigene Welt, wie so ziemlich alles in Japan.

Diese Fahrer leben ihr Hobby zu 120%.

Alles in ihrem Leben dreht sich um diese eine Leidenschaft.

Keine Partys.

Kein Luxus wie teure Kleidung oder teures Essen.

Kein Kino.

Nicht mal eben mit einem Freund etwas trinken gehen.

Nur der Driftsport.

Wenn etwas kaputt geht dann wird dies mehr oder weniger Instant repariert.

Sollten es nur Dellen, abgerissene Karosserieteile oder gar nur eine fehlende Seitenscheibe sein - das alles braucht man nicht zum fahren.

 

Nachdem ich den Mund vor lauter Staunen endlich wieder schließen  konnte ging es steil bergauf zum Drift-School Course.

Natürlich zu Fuß.

Zumindest für meine beiden Begleiter, ich hatte das Glück von einem (wie kanns anders sein) Australier das steile Stück mit hoch genommen zu werden.

Zu sehen wie der Drift Nachwuchs dort trainierte und mit jeder Ründe immer genauer an der Wall entlang tapen konnte war schon etwas besonderes.

Dank genügend helfender Hände war zumindest das wieder von der Strecke kommen kein Problem...

 

Dazu gesellten sich nach einer Weile ein paar ganz besondere Schmuckstücke, darunter ein Nissan Skyline R31, ein KPGC10 sowie eine  Toyota Supra die alle zusammen meilenweit von gut und böse entfernt waren.

Was hätte ich alles getan um bei einem der drei eine Ründe mitfahren zu dürfen...

Doch die Zeit drängte, immerhin müssten wir heute noch wieder runter ins Tal und in einer der nächstgrößeren Städte eine Unterkunft für die Nacht finden.

Und es war schon weit nach Mittag.

Also hieß es wieder auf auf, erneut einen bei der Hitze gefühlt 3000m hohen Gipfel erklimmen, diesmal den Gipfel des „Mount Touge“.

Nach schier endlosen Schritten (es waren um die 200m) auf glühendem Asphalt, (es waren aber sehr steile 200m!!) endlich oben angekommen, hatten wir an diesem Tag nicht so wirklich viel Glück.

Kein einziger Wagen räkelte sich auf der mit teilweise gelb-ockerfarbenem Sand bedeckten Bergstrecke.

Aber dafür gab es die Möglichkeit einen blick in die Agent K's Garage zu werfen.

Zumindest solange bis die Tore geschlossen wurden und uns nichts anders übrig blieb als wie uns auf die Bank nebenan zu setzen und die Szenerie aus Highspeed-Drift auf dem GP-Kurs und wunderschöner japanischer Berglandschaft zu genießen.

Zugegeben...

Das hatte auch was... 

 

 

Beim Mittagessen fanden wir noch unsere Fahrgelegenheit für den heutigen Nachmittag zum Bahnhof, leider habe ich seinem Namen vergessen aber nennen wir ihn einfach mal Mr.R33

Dieser Mr.R33 hatte es doch tatsächlich geschafft sein vor Ort gekauftes Auto innerhalb nur einer Woche so zu verschrotten dass selbst die Marke nur noch geraten werden konnte.

 

Wir hofften einfach mal dass er mit seinem Mietwagen mit dem er uns ins Tal fahren würde besser umging.

Gepäck im Loch eingeladen und tatsächlich, wir kamen ohne auch nur eine Schramme (weder bei uns noch am Auto) heil am Bahnhof Nihonmatsu an.

 

Der weitere Abend verlief dann recht unspektakulär, wir fanden in Sendai einen wirklich sehr schönen Gasthof im japanischen Stil, die Tochter des Gastgebers sprach sogar einige Worte Deutsch und wir verkrochen uns recht schnell in unsere Futonbetten, nach diesem Wochenende auch kein Wunder...

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0